Kapitel  1

 

...und immer wenn sie tief in ihren Gedanken versinkt, geschehen dort  draussen merkwürdige Dinge.

Madeleine kann dann manchmal eine Menge eigenartiger Wesen entdecken und beobachtet diese gerne mit großem Interesse. Auf diese Weise erfährt sie allerhand Verrücktes und Seltsames aus ihrem verträumten Garten.

 

Da gibt es schon seit langer Zeit die hohen, alten Bäume und die langhalsigen Giraffen, die gerne elegant um ihre mächtigen Stämme herum tanzen.

Weshalb sie das tun?  -  na, ist doch ganz einfach - sie denken, dass die armen Bäume, wie sie so angewurzelt im Garten herum stehen, vielleicht  auch gerne mal ihren Ort wechseln wollten. Oder spazieren gehen. Oder mittanzen. Oder einfach mal vor Gefahr davon laufen. Aber sie sind leider fest verwurzelt, und können ihren Standort, wenn sie ihn einmal gewählt haben, nie mehr verändern. Deshalb brauchen sie gute Freunde mit Verständnis für diese verzwickte Situation. Dafür kann ein Baum unglaublich gut zuhören. Oder Schatten spenden. Oder Früchte tragen, die bei einigen von ihnen sogar recht lecker schmecken sollen. Leider müssen dafür alle ihre Freunde immer zu ihnen kommen.

 

Giraffen leben ja grundsätzlich, wie wir wissen, mit ihrem Kopf  in der zweiten Etage. Irgendwo ab einer Höhe von fünf Metern gibt es nicht mehr viele, die dir gut zuhören können. Vögel vielleicht. Aber die flattern immer nur aufgeregt umher und haben wenig Zeit für Plauderei, wenn sie damit  beginnen ein Nest für die Eier zu bauen. Sobald die Vogelkinder dann geschlüpft sind, geht es gleich weiter mit Füttern und Flugunterricht für die Kinder.

Bei Giraffen ist das zum Glück anders. Giraffen bewegen sich sehr unaufgeregt und haben dort oben, wo sich ihr Kopf befindet, auch nur wenig Freunde.

 

Als irgendwann vor einer halben Ewigkeit die erste Giraffe den ersten Baum traf, handelten die beiden deshalb ein sinnvolles Versprechen aus. "Wenn ich um dich herumtanze, darf ich dich auch ab und zu anknabbern, ja?", fragte die Giraffe den Baum ziemlich direkt.

Der war zuerst etwas erschrocken, fühlte sich aber gleich nicht mehr so einsam. Außerdem wuchsen die Blätter und Früchte recht bald wieder nach. Der Baum machte deshalb einen Vorschlag, mit dem von da an beide zufrieden waren:

"Also wenn du mich nicht ganz auffrisst, könnte ich mir gut vorstellen, dass es uns beiden große Freude bereitet, sich auch miteinander zu unterhalten."

 

In diesem Moment war eine friedliche Zweckgemeinschaft entstanden. Eine freundliche Verbindung auf Basis gegenseitigen Nutzens. Das hat auch gleich sehr gut geklappt, weshalb heute um jeden Baum in Madeleines Garten eine Giraffe tanzen darf. Toll sieht das aus in der rötlichen Abendsonne, wenn diese langsam am Horizont abtaucht. Ein Anblick voller Anmut und Harmonie.

 

Ganz am anderen Ende des Gartens aber wohnte Madeleines äußerst schüchterner Bekannter, das Leopesel.

Oft konnte sie nur anhand der  orangefarbenen Nase erkennen, die manchmal aus dem Busch heraus leuchtete, ob es gerade zu Hause war.

 

Während Madeleine so vertraut ihre tanzenden Giraffen beobachtete und zusah, wie die Bäume voller Freude im Abendlicht strahlten, fiel ihr etwas Ungewohntes auf. Ein kleines wild umherhüpfendes undefinierbares Wesen zippelte wild und ungeschickt zwischen den Ästen und den Giraffenhälsen hin und her. Es war so schnell, dass sie es nicht genau erkennen konnte. Etwa ein Eichhörnchen?

Madeleine rieb sich die Augen. Das schüchterne Leopesel guckte im selben Augenblick entsetzt aus der Hecke. Völlig verängstigt streckte es dabei seine knuffige Nase hinaus ins Freie.

 

"Was ist denn das?", dachten beide im selben Moment. Ein Zippeldi Pomp - ja, genau! Es hopste so ungestüm hin und her wie es seine Bezeichnung nur irgendwie vermuten lassen konnte. Dabei sprang, flog, hangelte, rollte und kletterte es sich von einer atemberaubenden Akrobatikeinlage zur nächsten.

Doch plötzlich - pomp - wie der Name schon sagt - stürzte es ab und raste wie ein Eichhörnchenkomet Richtung Busch.

Das Leopesel sah erschrocken aus seinen winzigen Knopfaugen dem herannahenden Unglück ins Angesicht. Das Zippeldi Pomp stürzte mit unkontrollierter Geschwindigkeit direkt Richtung großknuffige  Nasenzielscheibe. Erst im allerletzten Augenblick konnte sich das laut schreiende Zappelgeschoss noch irgendwo festhalten und rechtzeitig abbremsen. Dabei drückte dieses ungeschickte Zippeldi mit einem gewaltigen Pomp seine Nase an die des geschockten Buschbewohners, welcher dabei lustig schielen musste.

Das eigenartige Annasen zur Begrüßung machen außerdem noch die Innuit am kalten Nordpol. Nur dass die vorher nicht so ungestüm herumzappeln.

 

"Hallo du!" entfuhr es dem Zippeldi ohne jeden Anflug von Scham oder Reue, "Ich glaube ich mag dich. Was bist du? Etwa ein Leopesel? Die sind angeblich echt selten.

 

Darf ich dein Freund sein? Ich bin übrigens ein Zippeldi Pomp."

"Äh, ja gerne. Freunde habe ich noch keine. Wie geht das?" fragte das Leopesel wieder sehr schüchtern.

"Keine Ahnung, aber ich mag dich vom ersten Moment an sehr gerne.  antwortete das Zippeldi etwas nassforsch.

"Meine Nase mag dich auch" murmelte das Leopesel lächelnd aus seinem Busch und seine kleinen braunen Augen  zwinkerten entzückt. 

 




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